Flucht und Migration der Täufer

Bern hatte im 17. und 18. Jahrhundert verschiedentlich einheimische Täuferinnen und Täufer ausgeschafft. Dem kamen umfangreiche Fluchtbewegungen bernischer Täufer oft zuvor: Im 16. Jahrhundert vor allem nach Mähren (heute Tschechien), im 17. ins Elsass, in den Kraichgau, in die Pfalz und die Niederlande, und seit dem 18. und bis weit ins 19. Jahrhundert vor allem in den Jura und namentlich nach Nordamerika. Auf diese Weise verliessen Tausende von bernischen Täuferinnen und Täufern ihre Heimat.

Erst nach der Französischen Revolution liess eine wachsende Toleranz die wenigen verbleibenden Täufer in der Schweiz eine Bleibe finden.
Und erst im späteren 20. Jahrhundert erfolgten «Schritte der Versöhnung» zwischen politischen und kirchlichen Behörden und den täuferischen Kirchen. So wurde aus dem Gegeneinander zunehmend ein Miteinander.

Vom Gegen- zum Miteinander

Vergangenes Unrecht als Unrecht anerkennen, bestehende Differenzen angehen, und um Verzeihung bitten

Vergangenes Unrecht lässt sich nicht ungeschehen machen. Die Bestrafung von Tätern ändert oft wenig an der Situation derer, die unter Unrecht gelitten haben. Was bewirken dann Anerkennen von Schuld und Vergebung?

Drei Berner Kirchen stehen heute als Symbole für Prozesse der Versöhnung zwischen Reformierter Kirche und den Täufern: Die Nydeggkirche, das Berner Münster und die Friedenskirche. In allen drei Kirchen sind in den vergangenen Jahren Gottesdienste gefeiert worden, die einen gemeinsamen Versöhnungsprozess abschlossen. Zu diesen Prozessen gehörte jeweils, dass beide Seiten Gelegenheit hatten, der anderen Seite jeweils ihre Sicht der konfliktreichen Geschichte zu erzählen. Und man bat sich gegenseitig um Vergebung, wo man aneinander schuldig geworden war. In Gesprächen wurde ausgelotet, welche Überzeugungen man heute teilt, wo man gut trotz unterschiedlicher Ansichten gemeinsam unterwegs sein kann, und wo die Unterschiede in den Ansichten auf weiteren Gesprächsbedarf hindeuten. Ein Ergebnis eines solchen Prozesses ist in der Schrift "Christus ist unser Friede" festgehalten. Sie drückt aus, dass man als Kirchen nun versöhnt miteinander unterwegs ist.

Die Geschichte der Täufer im Kanton Bern ist aber auch eine politische Geschichte. Auf dieser Ebene hat im November 2017 die Rede des Berner Regierungsrates und Kirchendirektors Christoph Neuhaus neue Türen geöffnet, in der er bat: "Und so bitte ich Sie in aller Schlichtheit heute Abend um Verzeihung für all das, was den Täuferinnen und Täufern in unserem Kanton zu Leide getan wurde."

Verzeihung macht vergangenes Unrecht nicht ungeschehen. Aber es verpflichtet jene, die nach Versöhnung suchen in Zukunft nach neuen Wegen zu suchen, und darauf zu achten, die alten Fehler nicht zu wiederholen. Dazu gehört für die Täufer heute, dass sich der Staat auf Gesetze zum Schutz von Minderheiten und Andersdenkenden verpflichtet, wie sie sich heute in der Europäischen Menschenrechtskonvention finden.